Morgenkreis

Tipps und Ideen für den Morgenkreis

In der Kita oder Grundschule ist der Morgenkreis oft eine wichtige Phase, um gemeinsam in den Tag zu starten. Für manche autistische Kinder ist er eine große Herausforderung: Sie zeigen möglicherweise wenig Interesse, beteiligen sich nicht, setzen sich freiwillig nicht in den Kreis oder versuchen, diesen zwischendrin wieder zu verlassen. Die Gründe dafür können unterschiedlich sein:  Das Kind…

  • nimmt die Klasse oder Gruppe (noch) nicht als soziale Gemeinschaft wahr.
  • versteht die sozialen Regeln nicht (abwarten, abwechseln, Spielregeln usw.).
  • verfügt nicht über die nötige Impulskontrolle (zuschauen, abwarten etc.)

Der Morgenkreis ist für das Kind

  • nicht von Bedeutung, daher schenkt es ihm keine Aufmerksamkeit.
  • in seinem Ablauf oder einzelnen Phasen unklar oder nicht vorhersehbar.
  • inhaltlich zu abstrakt und unverständlich (Tagesplan, Wetter, Berichte der anderen Kinder vom Wochenende usw.).
  • zu sprachlastig, es versteht oder erfasst nicht, worüber gesprochen wird.
  • langweilig, weil es zu viele Zeiten gibt, in denen das Kind selbst nicht aktiv sein kann.
  • sensorisch überfordernd (zu laut, zu eng, zu körperlich).
Mögliche Ideen, den Morgenkreis anzupassen

Welche Anpassungen für das Kind hilfreich sind oder funktionieren, kann unterschiedlich sein. Wichtig ist, dass es mit seinen Fähigkeiten an den Morgenkreis anknüpfen kann:

Motivation und Interessen des Kindes einbinden. Einige autistische Kinder werden ihre Aufmerksamkeit erst auf das Geschehen lenken, wenn dort etwas passiert, was für sie interessant ist. Überlegen Sie, was das Kind anspricht und womit es sich erreichen lässt – ein Spiel mit seinem Spezialinteresse, ein Lied oder Klatschspiel oder sensorische Angebote mit Materialien, die es mag.

Mitmachen und aktiv sein. Gerade für Kinder mit großem Bewegungsdrang oder mit geringem Bedürfnisaufschub ist es wichtig, mitmachen, ausprobieren und selbst aktiv sein zu können. Planen Sie ausreichend Spiele und Angebote ein, an denen das Kind sich beteiligen kann.

Spaß haben. Was macht dem autistischen Kind in Ihrer Gruppe Spaß? Woran hat es Freude, worüber kann es lachen? Wenn Sie die Möglichkeit haben, Gegenstände, Materialien oder Aktivitäten in den Morgenkreis einzubinden, die dem Kind großes Vergnügen bereiten, wird es vermutlich mehr Interesse zeigen und eher bereit sein, am Gruppengeschehen teilzunehmen.

Einen festen Ablauf anbieten. Manche Kinder haben Schwierigkeiten, den Morgenkreis als wiederkehrendes Ritual zu verstehen, wenn dieser jeden Tag unterschiedlich abläuft. Ein gleichbleibender Ablauf, eine feste Zeit und ein fester Ort können dafür sorgen, dass das Kind die Situationen wiedererkennt. Auch ritualisierte Elemente (ein Lied, ein Spruch, ein Spiel, eine Aufgabe usw.) können dazu beitragen.

Soziale Hilfestellungen. Möglicherweise überfordert der Morgenkreis das Kind, weil es sich in der Gruppe nicht gut behaupten oder orientieren kann. Sie können Entlastung schaffen, in dem Sie z.B. einen festen Platz anbieten, evtl. markiert mit einem persönlichen Sitzkissen oder Foto. Auch feste Sitznachbarn oder Begleitpersonen können eine gute Hilfe sein. Ebenso kann ein festes Partnerkind, z.B. für bestimmte Phasen, hilfreich sein.

Visualisierungen anbieten. Bieten Sie dem Kind möglichst viel Vorhersehbarkeit, in dem Sie den Ablauf und die Dauer des Morgenkreises visualisieren. Wichtig ist, dass das Kind die Visualisierungshilfe versteht und sie der Situation zuordnen kann. Für manche Kinder eignen sich Bildkarten oder Piktogramme, andere benötigen eine Übersicht mit Fotos und wieder andere reale Gegenstände, die in den Phasen jeweils zum Einsatz kommen.

Den Übergang im Blick haben. Kann das Kind vorhersehen, wann der Morgenkreis startet? Ist es gerade in sein Spiel oder eine Aufgabe vertieft? Manche Kinder benötigen einen längeren Vorlauf oder müssen eine begonnene Aktivität beenden, um sich auf den Übergang einzulassen zu können. Eine rechtzeitige Orientierung mit Hinweis („Du kannst noch dein Bild beenden“ oder „noch zehnmal schaukeln“) oder eine Visualisierungshilfe (Timer, Sanduhr etc.) können dabei helfen, dem Kind die Übergangszeit zu signalisieren.

Übergangsobjekte einbinden. Für einige Kinder sind Übergangsobjekte eine wichtige Hilfe, um von einer Situation in eine andere zu wechseln. Das kann ganz unterschiedlich aussehen: Das Kind nimmt seine Bildkarte mit und hängt sie am Morgenkreis auf oder es hat ein (Lieblings-) Spielzeug, das bei jedem Wechsel mitgenommen wird. Das kann ggf. auch bedeuten, dass das Kind während des Morgenkreises mit Gegenständen hantieren darf, die sein Bedürfnis nach Aktivität bedienen.

Zeit geben. Es kann ein großer Erfolg sein, wenn das autistische Kind für einige Minuten oder für eine erste Phase am Morgenkreis teilnimmt – auch wenn es den Kreis danach verlassen will. Passen Sie die Erwartungen an die Möglichkeiten des Kindes an. Orientieren Sie es auf das Geschehen, aber zwingen Sie es nicht, dabei zu sein.

Schritt für Schritt. Manche Kinder können dann am Morgenkreis teilnehmen, wenn wir ihnen erlauben, sich langsam anzunähern. Sie brauchen vielleicht zunächst eine Beobachterrolle und schauen aus der Distanz zu. Oder sie müssen zwischendrin den Kreis verlassen, um sich zu regulieren. Wieder andere Kinder halten sich lieber außerhalb des Kreises auf, kommen aber punktuell für ein Spiel o.ä. dazu. Hier helfen die Flexibilität der Erwachsenen und ein Verständnis dafür, dass das „Teilhabe“ unterschiedlich aussehen kann.